Deckelpokal mit Liebespaar

Unter der Inventarnummer VD 108 befindet sich im Depot des Kreismuseums ein Pokal mit Deckel, der mit verschiedenen bildlichen Szenen verziert ist. Auf dem Deckel befindet sich ein Hochrelief bestehend aus drei Vogelszenen. Ein Medaillon zeigt zwei Vögel links und rechts auf einem Ast eines kargen Baumstumpfes stehend. Der linke Vogel trägt einen Wurm im Schnabel und scheint ihn dem rechten, etwas niedergeduckten Vogel reichen zu wollen. Vielleicht füttert hier ein Vogel den anderen. Im links anschließenden Medaillon erscheinen abermals zwei Vögel, einer auf einem Ast sitzend, der andere im Anflug und die gemeinsam von einer Weintraubenrispe fressen. Im letzten Medaillon sieht man zwischen den beiden sitzenden Vögeln ein auf einem austreibenden Baumstamm errichtetes Nest, in dem drei Jungvögel sitzen. Zwischen den Vogelszenen sind hell- und dunkelblaue Keramikeinlagen angeordnet.

Auf dem Deckel steht ein Liebespaar, er wendet sich ihr zu und hält ihre Hüfte und ihren Kopf, sie umfasst ihn an Schulter und Hüfte. Die Bekleidung des Paares wirkt antikisiert, er trägt eine kurze Tunika, sie ein langes Gewand mit Schüsselfalten. Wandung des Pokals zeigt im Halbrelief Szenen aus dem bürgerlichen Alltag. Von einem Brunnen ausgehend sind zu erkennen: ein Junge reicht einer Frau ein Getränk; ein Jugendlicher trägt einen Kuchen hinter einer Frau mit Tablett her; eine Frau gießt sich Kaffee oder Tee ein während ihr gegenüber eine Frau die Aufwartungen eines jungen Herrn bekommt; zwei Herren sitzen am Tisch, lesen Zeitung und rauchen Zigarre sowie ein Mann und eine Frau im Spiel mit einem Hund.

Der Fuß hat eine achteckige Grundform und ist mit einer Perlenschnur und floralem Hochrelief verziert.

Ausgehend von der in den bürgerlichen Szenen getragenen Bekleidung (Zylinder, Frack, weite Kleider mit Puffärmeln) handelt es sich vermutlich um Szenen aus dem Biedermeier (1818-1848).

Doch wozu diente dieser Deckelpokal? Da er im Innern mit Kupfer ausgekleidet ist, biete sich seine Funktion als Trinkgefäß an. Jedoch ist der Pokal nicht besonders handlich. Vielmehr dürfte es sich bei dem Deckelpokal um ein besonderes Hochzeitsgeschenk gehandelt haben. Ein Hochzeitsbrauch besagt, dass Braut und Bräutigam während der Zeremonie gemeinsam aus einem Becher trinken beziehungsweise sich den Pokal gegenseitig reichen und auf ihr gemeinsames Glück trinken. Der Eingang des Deckelpokals ins Kreismuseum Bitterfeld ist für den 24. Juli 1980 verzeichnet.